Die Turbolader der Garrett GTX Generation II (Gen II) repräsentieren die höchste Evolutionsstufe der klassischen Gehäuseplattformen und basieren auf den Erkenntnissen der ersten GTX-Baureihe. Während die mechanischen Schnittstellen (Flanschbilder und Baugrößen) bewusst beibehalten wurden, um einen unkomplizierten Plug-and-Play-Austausch älterer GT- und GTX-Systeme zu ermöglichen, wurde die innere Aerodynamik und die Lagertechnik grundlegend optimiert. Die Gen II-Serie ist für extreme Ladedrücke und gesteigerte Massenströme konzipiert, wobei der Fokus auf einer signifikanten Ausweitung des nutzbaren Verdichterkennfelds liegt.
Im direkten Vergleich zur ersten GTX-Generation und zur GT-Basis zeichnet sich die Gen II-Serie durch folgende technische Modifikationen aus:
Hocheffiziente Keramikkugellagerung (Ceramic Ball Bearing): Während ältere Generationen teils auf Stahlkugeln setzten, ist bei der GTX Gen II eine hochentwickelte Rumpfgruppe mit Keramikkugeln Standard. Keramik besitzt eine geringere Dichte und eine extreme Oberflächengüte, was die rotatorische Reibung im Lagergehäuse (CHRA) minimiert. Das Ergebnis ist ein nochmals verbessertes transientes Ansprechverhalten und eine reduzierte thermische Empfindlichkeit bei extremen Drehzahlen.
Überarbeitete Verdichterrad-Aerodynamik: Die geschmiedeten und CNC-gefrästen Aluminium-Verdichterräder (Billet) wurden aerodynamisch komplett neu berechnet. Die veränderte Schaufelgeometrie ermöglicht bei identischem Raddurchmesser einen bis zu 20 % höheren Luftmassendurchsatz als bei der ersten Generation.
Optimierte Ported-Shroud-Gehäuse (Anti-Surge): Die Verdichtergehäuse verfügen über eine strömungstechnisch verbesserte Kennfeldstabilisierung. Dieser Rezirkulationskanal verschiebt die Pumpgrenze effektiv nach links, sodass auch bei hohen Ladedrücken im niedrigen Drehzahlbereich ein stabiler Strömungsverlauf ohne schädliches Verdichterpumpen gewährleistet ist.
Serienmäßige Drehzahlsensor-Vorbereitung: Jedes GTX Gen II Verdichtergehäuse ist ab Werk für die direkte Aufnahme eines Drehzahlsensors vorbereitet. Dies erlaubt im Rahmen der Applikation und Abstimmung eine präzise Überwachung der Laderdrehzahl, um den Turbolader dauerhaft im optimalen Wirkungsgradfenster zu betreiben.
Wichtiger Montagehinweis zur Öldruckregulierung: Auch die Gen II Keramiklager-Rumpfgruppen benötigen zum Schutz der Kolbenring-Dichtungen ein exakt limitiertes Ölvolumen. Die Verwendung eines passenden Ölrestriktors (standardmäßig mit einer präzisen 0,9 mm Bohrung) im Ölzulauf ist zwingend erforderlich, um Öleintritt in den Ansaug- oder Abgaskanal zu verhindern.
Zur korrekten Einordnung der Leistungsstufen dient folgende technische Matrix:
| Merkmal / Komponente | Garrett GTX (Gen I) | Garrett GTX Gen II | Garrett G-Serie |
| Verdichtergehäuse | Standard Anti-Surge (optional). | Optimiertes High-Flow-Gehäuse mit integriertem Ported Shroud. | Ultra-kompaktes High-Flow-Gehäuse mit integrierter Sensorik. |
| Verdichterrad (Aero) | Billet-Rad, 11-Schaufel-Design. | Neu berechnete Aero-Geometrie für bis zu 20 % mehr Durchsatz. | Vollständig neu konzipierte, extrem dünnwandige High-Flow-Aero. |
| Lagertechnik (Kugeln) | Je nach Modell Stahl- oder Keramikkugeln. | Standardmäßige Hochleistungs-Keramikkugellagerung. | Kompakteste Keramik-Rumpfgruppe mit reduzierten Spaltmaßen. |
| Leistungsausbeute | Erhöht gegenüber GT-Basis. | Maximaler Durchsatz innerhalb der klassischen GT-Baugrößen. | Höchste thermodynamische Effizienz pro cm³ Bauraum. |
Die Garrett GTX Gen II ist die leistungsfähigste Option, wenn ein bestehendes Turbo-Setup (z. B. ein vorhandener Krümmer mit T3-, T4- oder V-Band-Flansch) ohne mechanische Umbaumaßnahmen an der Peripherie auf das absolute Leistungsmaximum gehoben werden soll. Sie kombiniert die universelle Passform der klassischen GT-Architektur mit modernster Keramik-Lagertechnik und hochentwickelter Verdichter-Aerodynamik.
